Offener Brief an Elise
 
Deutscher Text: Burkhard Ihme
Paroles et musique: Anne Sylvestre
 
Jeden Tag vergeht sich über mir
Meine Nachbarin auf dem Klavier
Weil das an meinen Nerven nagt
Hätt’ ich sie gern’ einmal gefragt:
„Sagen Sie mir bitte, liebe Frau,
Sind sie von Elise noch nicht blau?“

Doch wer war diese Elise,
Der man allerorten lauscht,
Die sich endlos, dekadent bloss
An dem Tremolo berauscht ?
Sag mal, alter Ludwig,
Hattest Du den Mut nicht,
Ihr das Ganze selbst zu sagen?
Statt zu komponieren,
Mit ihr zu dinieren
Und gelegentlich zu fragen ?
Tätest Du das mündlich,
Müsste ich nicht stündlich
Deinen Liebesschmerz ertragen...

Heute trage ich aus Eigennutz
Ohrenschutz, Ohrenschutz.
Doch mir hängt dank jenes Intervalls
Dieses Schmalz aus dem Hals
Aber Elise wollte ja, dass man ihr sagte „blablabla“
Doch warum denn das auf dem Klavier
Statt auf Papier, statt auf Papier
Ist es doch mit Worten federleicht
Schnell erreicht, schnell erreicht

Doch Elise hatte vermutlich Ludwig
Glatt traumatisiert
Wenn er nämlich Küsse sandte,
Wollte sie sie komponiert
Ach, Elise, hätt’ste Dir doch hochgeschätzte
Bundespostbeamten angelacht
Ludwig war doch grässlich,
Uncharmant und hässlich
Als er sich an Dich herangemacht
Und so’n Postmann setzt nicht so schnell Rost an
Ganz besonders in der Nacht...

Steht der Postmann morgens vor der Tür,
Gleich ertönt „Elise“ über mir.
Elise wenn Du Ludwig per
Einschreiben antwortetest wär’
Meine Nachbarin vielleicht bereit,
Mit der Zeit, mit der Zeit,
Statt nur mit „Elise“ zu brillier’n
Es mit dem Landmann zu probier’n.

Ich weiss, ich weiss, auch das hat seinen Preis
Und steht er mir auch bald bis HIER –
Es wär doch mal was Neu’s !
 

© www.MarenBerg.com